Arbeitsluft statt Ferienduft

Bald sind sie da, die Sommerferien. Die Schulsachen werden in den hintersten Winkel der Zimmer verbannt und Gedanken an die Schule zunächst einmal beiseitegeschoben, denn jetzt ist „chillen“ angesagt. Das heißt neun Wochen lang tun, worauf man Lust hat und sich jeglichen Verpflichtungen entziehen. „Stimmt genau!“, werden sich jetzt vielleicht manche von euch denken, anderen kommt jedoch womöglich in den Sinn: „Ganz so schön ist es nun doch nicht. Ich muss ja schließlich arbeiten…“ So wären wir dann auch beim eigentlichen Thema angelangt, dem Ferialjob – des einen Freud, des andern Leid. Welche Vor- und Nachteile das Arbeiten in den Ferien birgt und was man dabei sonst noch bedenken sollte, reflektiert folgender Text.

 

"Bei der Arbeit" © Nico Heyl
"Bei der Arbeit" © Nico Heyl

Ein wesentlicher Grund, warum die meisten jungen Menschen einen Ferialjob annehmen, ist das Geld, denn ein eigenes Einkommen bedeutet meist mehr Unabhängigkeit und Freiheit, zugleich liegt man den Eltern weniger auf der Tasche. Manche sparen ihren Verdienst fürs Studium, andere verprassen ihn sofort oder müssen sich damit ihren Urlaub finanzieren. Die Ambitionen für einen eigenen Lohn können also sehr unterschiedlich sein, gleich ist jedoch wahrscheinlich bei jeder und jedem die Freude, die man verspürt, wenn man nach getanen Arbeitswochen seinen Gehaltszettel in Händen hält. Brutto- und Nettolohn sollten dabei jedoch meist nicht gegenübergestellt werden…

Das Geld ist demnach ein klarer Vorteil eines Ferialjobs, vorausgesetzt man bekommt ein ordentliches Sümmchen. Dass dies nicht immer der Fall ist, werden wohl manche von euch aus Erfahrung wissen. Denn während die einen in vier Wochen 500€ verdienen, erarbeiten sich andere im gleichen Zeitraum einen satten Tausender, obwohl die Arbeit nicht immer eine schwerere oder körperlich anstrengendere ist. Dies kann etwas Ernüchterung bringen, aber schließlich geht es bei einem Ferialjob, wie auch sonst im Leben, nicht immer ums Geld.

 

Welchen positiven Aspekt bringt das Arbeiten in den Ferien also noch mit sich? Berufserfahrung, ganz klar. Obgleich Bürojob, Gastronomietätigkeit oder Krankenhaus - Arbeitsluft kann man überall schnuppern. Vielleicht habt ihr euch auch schon des Öfteren gedacht, wie schön es Mama und Papa doch haben im Gegensatz zu euch Schülern – tagsüber arbeiten und am Abend entspannen, anstatt noch einen Berg von Hausaufgaben erledigen zu müssen. Dass die Arbeit an sich aber auch ganz schön anstrengend sein kann, erlebt man meist bei einem Ferialjob. Man erfährt auf diese Weise wie sich ein Berufsalltag anfühlt und ertappt sich dabei vielleicht durchaus selbst bei dem Gedanken, dass es in der Schule doch im Grunde viel lustiger ist. Möglicherweise geht man aber auch vollkommen in seiner Tätigkeit auf und es ergeben sich neue Berufswünsche. Damit wären wir bereits beim nächsten Punkt. Denn ein Ferialjob bietet nicht nur die Möglichkeit allgemein in das Leben einer oder eines Berufstätigen einzutauchen, sondern spezifisch das Tätigkeitsfeld seines Traumberufes näher kennenzulernen oder überraschenderweise festzustellen, dass eine Arbeit, die man zuvor nie als möglichen Karrierewunsch in Betracht gezogen hat, genau das Richtige für einen ist. So kann ein Sommerjob durchaus dabei helfen, etwaige Zukunftspläne zu schmieden.

 

Bei jedem Job kommt man in der Regel auch mit anderen Personen in Berührung und lernt diese mitunter sogar näher kennen. Man knüpft soziale Kontakte, was immer und überall positiv und hilfreich ist. Der 40-jähriger Bürokollege wird zwar kein Freund werden, mit dem man abends um die Häuser zieht, Gespräche kann man aber dennoch mit ihm führen, um auf diese Weise vielleicht interessante Schlüsse, die dieser aus langjähriger Berufserfahrung gezogen hat, zu erfahren und an andere Sichtweisen anzubinden. Außerdem gibt es an jeder Arbeitsstelle meist auch jüngere Kolleginnen und Kollegen mit welchen man einen größeren Pool an Interessen teilt.

 

Bei all den positiven Aspekten, die ein Ferialjob mit sich bringt, bleibt dennoch ein Minuspunkt nicht aus, der da wäre: Die Verkürzung der Sommerferien von neun auf meist nur fünf Wochen. Das heißt vier Wochen weniger Zeit, in den Urlaub zu fahren, auszuschlafen oder ganz einfach Spaß zu haben. Aber mal ehrlich, fünf Wochen sind immer noch über einen Monat freie Zeit und unternehmen kann man während der Arbeitswochen an den Abenden oder Wochenenden schließlich auch einiges. Und wer hat noch nie bereits zur Halbzeit der Sommerferien über Langeweile geklagt? Mit einem Sommerjob kann das nicht passieren. Es sei denn, die Arbeit ist jenseits von spannend und abwechslungsreich anzusiedeln, was vor allem bei Bürojobs der Fall sein kann. Daher ist es gut, vor der Bewerbung zu überlegen, an welchen Aufgaben man Gefallen finden könnte und danach anschließend seine Jobsuche auszurichten. Natürlich ist das oft leichter gesagt als getan, denn wie ihr vielleicht aus eigener Erfahrung kennt, ist es manchmal nicht so leicht ohne „Connections“ an einer Arbeitsstelle als FerialpraktikantIn aufgenommen zu werden und viele Firmen weisen grundsätzlich jegliche Jobanfragen ab.

Eine meines Erachtens gute Internetseite, auf der jedes Jahr die verschiedensten Sommerjobs angeboten werden, ist die Ferialjobbörse des Jugendservices. Für heuer kommt dieser Tipp wahrscheinlich etwas zu spät, doch vielleicht findet ihr damit nächstes Jahr etwas Passendes.

 

Wie man aus obigem Text zweifelsfrei herauslesen kann, bin ich pro Ferialjob, da diese Tätigkeit meiner Meinung nach zum Erwachsenwerden dazugehört. Über kurz oder lang werden wir alle einen Beruf ergreifen und daher ist es sicher von Vorteil zuvor eine gewisse Joberfahrung gesammelt zu haben. Und wer hat nicht gerne etwas mehr Taschengeld zur Verfügung? 

 

Ich wünsche somit allen, die schon bald Berufsluft schnuppern werden, eine spannende, kurzweilige und hoffentlich gewinnbringende Arbeit und erholsame Ferien! (Letzteres gilt natürlich auch für jene, die heuer noch eine Schonfrist einlegen… ;-)) 



von Anna

Kommentar schreiben

Kommentare: 0