Neger - Schwarzer - Maximalpigmentierter. Was kommt als nächstes?

Die Sprache im antirassistischen Wandel.

 

Aus „Eskimo“ wird „Inuit, aus „Zigeuner“ „Roma und Sinti“, aus den „Indianern“ werden die „indigenen Völker“ und was wird eigentlich aus den „Negern“? In den letzten Jahren wurden immer wieder Wörter der deutschen Sprache erneuert, um sie ins „politisch korrekte“ Licht zu rücken. Doch wieviel Korrektheit steckt wirklich dahinter?

Jahrzehntelang verwendete man den Begriff „Eskimo“, wenn man von den indigenen Volksgruppen der Gebiete rund um die Arktis sprach, bis Sprachwissenschaftler plötzlich verlautbaren ließen, dass dies übersetzt „Rohfleischesser“ bedeute. Der Begriff „Inuit“, Einzahl Inuk, was „Mensch“ auf Inuktitut bedeutet, wurde eingeführt. Inzwischen ist man sich jedoch weitgehend einig, dass die Sache mit dem Rohfleisch Unsinn war, und sich Eskimo vermutlich von einem Wort ableitet, das „Schneeschuhflechter“ bedeutet. Eine andere mögliche Deutung des Begriffs wäre auch „Menschen, die eine andere Sprache sprechen“. Wer sich nun denkt: „Wie praktisch! Dann kann ich nun beides sagen!“, hat falsch gedacht, zumindest laut Wikipedia. Denn glaubt man der Onlineenzyklopädie, so ist die Bezeichnung Inuit kein Ersatz für Eskimo, da diese nicht alle arktischen Volksgruppen erfasst. Demnach wäre es wohl wieder besser das Wort Eskimo zu gebrauchen, wenn man von der indigenen Bevölkerung des Nordens im Allgemeinen spricht.

 

Ein ähnliches sprachliches Dilemma hat sich bei der Ersetzung des Ausdrucks „Zigeuner“ durch „Roma und Sinti“ ergeben. Denn die „Roma“ sind zwar die größte Gruppe der Zigeuner, aber beileibe nicht die einzige. So fühlten sich Menschen persönlichen Berichten zufolge in Rumänien ausgeschlossen, als man sie mit der vermeintlich politisch korrekten Bezeichnung Roma ansprach.

 

Es ist noch nicht sehr lange her, dass man „Neger“ als allgemein gültigen Begriff für Menschen mit dunklerer Hautfarbe verwendete. Mittlerweile ist dieser verpönt und durch neue Ausdrücke ersetzt worden. In "Pippi Langstrumpf" wurde schon vor längerem aus dem "Negerkönig" ein "Südseekönig". „Schwarzer“, „Farbiger“, „Afro-Österreicher“ oder sogar „Maximalpigmentierter“ zählen zu sprachlichen Versuchen, im Alltag über unsere dunkelhäutigen Mitmenschen zu sprechen, ohne dabei diskriminierend zu wirken oder zu sein. Doch sind diese Begriffe wirklich immer politisch korrekter als zum Beispiel „Neger“? Schließlich ist „Schwarzer“ doch nur die deutsche Variante des ursprünglich französischen Wortes. Und auch „Schwarzafrikaner“ ist insofern diskriminierend, als dass schließlich nicht alle Dunkel-häutigen aus Afrika kommen. Die deutsche „Bundeszentrale für politische Bildung“ schlägt „Schwarze Menschen“ als politisch korrekte Ausdrucksweise vor. Die Hautfarbe sollte jedoch generell nur genannt werden, wenn sie zum Verständnis einer Mitteilung benötigt wird.

 

Die politische Korrektheit macht natürlich bei diesen allgemeinen Begriffen nicht halt. Auch Speisenbezeichnungen wurden mittlerweile unter die Lupe der politischen Korrektheit genommen und Lokalbesitzer aufgefordert, Gerichte wie das „Zigeunerschnitzel“ oder den „Mohr im Hemd“ umzubenennen, zum Beispiel in „Schokokuchen mit Schlagobers“, oder gar gänzlich aus der Speisekarte zu verbannen. Ebenso wurden die „Negerküsse“ in „Schokoküsse“ umgewandelt. Oder wie wäre es mit „schokoladenüberzogene Schaumzuckermasse mit schwarzafrikanischem Migrationshinter-grund“ als Alternativbegriff? Ich hoffe nur, die Schweden, oder vielmehr besorgte Menschen-rechtsaktivisten, stoßen sich nicht einmal an der in Österreich für jene süße Versuchung gängigen Bezeichnung „Schwedenbombe“.

 

Sich politisch korrekt auszudrücken ist also gar nicht so leicht, und nur die aufgeklärtesten Menschen sind gefeit vor Vorwürfen, einen diskriminierenden Sprachgebrauch aufzuweisen. Denn kaum ist ein neuer, „politisch korrekterer“ Begriff gefunden, wird auch dieser bereits wieder als abwertend empfunden.

 

Ich habe mich seit jeher um eine menschenfreundliche Ausdrucksweise, die fern jeglicher Diskriminierung angesiedelt ist, bemüht, da ich andere Völker und Kulturen auf keinen Fall mit meinen Worten beleidigen möchte. Trotzdem frage ich mich, ob es wirklich die Ausdrücke wie „Eskimo“, „Zigeuner“ oder „Schwarzafrikaner“ sind, die Menschen verletzen oder nicht vielmehr der Kontext, in dem sie gesagt werden. Spricht man über eine andere Menschengruppe generell abwertend oder benachteiligt man diese sogar durch das eigene Handeln, so wird die Diskriminierung jener Personen schließlich nicht dadurch aufgehoben, dass man sie mit einem politisch korrekten Ausdruck benennt. Was nutzt es einem Vertreter, einer Vertreterin der Roma und Sinti beispielsweise, wenn er oder sie zwar vorbildhaft als „Roma“ bezeichnet, jedoch vom Staat und dessen restlicher Bevölkerung verleumdet und schlecht behandelt wird? Wenn schon eine Gleichstellung und barrierefreies Denken, dann bitte auf allen Ebenen und nicht nur der sprachlichen.

 

Spricht man von Minderheiten und fernen Kulturen werden diese oftmals in „Sprachwatte“ gepackt, denn jede Aussage, jede Speisenbezeichnung, ja sogar jedes Wort aus einem Kinderbuch vergangener Zeiten, könnte sie schließlich kränken. Dieses Agieren wird von uns gemeinhin damit begründet, dass wir, die westliche Welt, mit anderen Völkern sehr achtsam und respektvoll umgehen, so wie wir es im Gegenzug natürlich auch von ihnen erwarten. Doch schließt diese Übersorgsamkeit nicht auch einen gewissen Zweifel mit ein? Zweifel daran, dass andere Kulturkreise genug Stolz und Selbstbewusstsein besitzen, um über einen „Negerkönig“ in einem Kinderbuch oder eine Zigeunersoße hinwegzusehen. Gefolgt von dem Gefühl, das wir „Weißen“, Minderheiten durch sprachliche Richtlinien und Verbote beschützen müssen, da sie selbst nicht stark genug sind, obwohl im Grunde wir es gewesen sind, die sie geschwächt haben. Diese vermeintlich liberale Geisteshaltung, kann also ebenso als rassistisch eingestuft werden.

 

Wären wir Völker der Erde uns seit Beginn der Menschheitsgeschichte mit Respekt und auf gleicher Augenhöhe entgegengetreten, gäbe es all diese Probleme heute nicht. Ich würde keinen Artikel über die politisch korrekte Sprache verfassen und für unsere Schülerzeitung hätten wir ein anderes Wochenthema anstatt jenes des Rassismus finden müssen.

 

Eine Welt in Frieden – welch romantische Wunschvorstellung!

 


von Anna

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Arne (Donnerstag, 28 November 2013 00:03)

    Wirklich interessant, ausgewogen und trotzdem meinungsstark! Beeindruckender Text zu einem Thema, das mich aus beruflichen Gründen gerade sehr beschäftigt.