Julefrokost, Pakkeleg und Julemand

Weihnachten in Dänemark

Weihnachten naht mit immer größeren Schritten und es ist wieder Zeit fürs Kekserlbacken, Christkindlmarkt-Gehen und Adventskränze, unseren liebgewonnenen Traditionen. Doch auch zur Weihnachtszeit gilt: „Andere Länder, andere Sitten“. Diese konnte ich letztes Jahr in Dänemark hautnah miterleben. Bei Weihnachten in Skandinavien denkt man gleich an Astrid Lindgrens Geschichten von den Kindern aus Bullerbü und Michel aus Lönneberga, aber was davon ist wirklich Brauch und nicht nur Klischee? Gleich vorneweg: Sehr vieles, aber von Anfang an…

 

Auch in Dänemark werden am Adventskalender die Tage bis Heiligabend abgezählt, und das gleich mehrfach: Zusätzlich zu den uns bekannten Schokoladeadventskalendern gibt es ein sogenanntes „Kalenderlicht“, eine Kerze mit 24 Markierungen, die jeden Abend angezündet wird, und mehrere Fernsehsender senden jeden Abend einen neuen Abschnitt einer 24-teiligen Weihnachtsfernsehserie aus. Gemeinsam mit meinen Gastgeschwistern habe ich einige gemütliche Abende am Sofa verbracht und die Abenteuer von Jonas und Sofie im Reich der nordischen Götter verfolgt.

 

Die von mir ergatterten Packerl bei der "julefrokost" mit meiner dänischen Klasse
Die von mir ergatterten Packerl bei der "julefrokost" mit meiner dänischen Klasse

Kaum ist es Dezember, haben die Dänen fast keinen freien Abend mehr, da überall „julefrokost“, also ein Weihnachtsessen, veranstaltet wird. Man trifft sich mit Arbeitskollegen oder Klassenkameraden, spielt das Geschenkespiel und isst jede Menge traditioneller Weihnachtsspeisen. Das Geschenkespiel, oder „pakkeleg“, hat ganz einfache Regeln: Jeder nimmt etwa drei kleine, hübsch verpackte Geschenke mit, die in die Mitte des Tisches gelegt werden. Reihum wird nun gewürfelt und wer einen Sechser wirft, darf sich ein Geschenk nehmen. Doch auch wenn alle Geschenke verteilt sind, ist das Spiel noch nicht aus, denn jetzt gilt es, in einem bestimmten Zeitraum den anderen Spielern ihre Geschenke abzuluchsen. Ein amerikanischer Austauschschüler hat es ganz treffend formuliert: „I’m pretty sure pakkeleg has destroyed friendships!“, besonders dann, wenn man feststellen muss, dass das besonders heiß umkämpfte Geschenk nur rohen Brokkoli enthält. 

 

Æbleskiver mit Marmelade und Staubzucker
Æbleskiver mit Marmelade und Staubzucker

Macht aber nichts, denn zu essen gibt es genug in der Weihnachtszeit. Neben Keksen dürfen vor allem „Æbleskiver“, eine Art kugelförmiger Bauernkrapfen, nicht fehlen, und aufgewärmt wird man mit Gløgg, Glühwein mit Mandelsplittern und Rosinen. 

Die weihnachtlich dekorierte Aula des Gymnasiums am Tag vor den Weihnachtsferien
Die weihnachtlich dekorierte Aula des Gymnasiums am Tag vor den Weihnachtsferien

Nikolaus und Krampus sind den Dänen unbekannt, dafür feiert man am 13. Dezember das Fest der Heiligen Lucia. An dem von den Schweden übernommenen Festtag zieht ein weiß gekleidetes Mädchen mit einem Kerzenkranz am Kopf und einem Gefolge an KerzenträgerInnen durch Schulen und Altersheime, um in der dunklen Zeit ein wenig Licht und „hygge“ zu verbreiten. „Hygge“ ist das „Nationalwort“ der Dänen und bedeutet so viel wie Gemütlichkeit. Dennoch behaupten die Dänen, „hygge“ lasse sich nicht in andere Sprachen übersetzen, da es so viel mehr als nur Gemütlichkeit bedeute. „Hygge“ sei eine Lebensart, und diese wird gerade zur Weihnachtszeit besonders zelebriert, etwa am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien mit einem Klassenfrühstück und einer Weihnachtsfeier in der Aula der Schule. (IMG_6408, „Die weihnachtlich dekorierte Aula des Gymnasiums am Tag vor den Weihnachtsferien“)

Am Heiligen Abend war die ganze Mandel in meiner Portion risalamande versteckt
Am Heiligen Abend war die ganze Mandel in meiner Portion risalamande versteckt

Der Heilige Abend ist auch wie in Österreich ein Tag der Familie. Gemeinsam wird der Christbaum aufgestellt und geschmückt, und nachdem man am frühen Nachmittag in die Kirche gegangen ist, wird das Abendessen vorbereitet. Traditionell gibt es Ente oder Schweinsbraten mit brauner Soße, Blaukraut und in Zucker karamellisierten Kartoffeln. Als Nachspeise gibt es „risalamande“, Milchreis mit Schlagobers und gehackten Mandeln. Und ganz wie in den skandinavischen Geschichten, gibt es ein kleines Geschenk für denjenigen oder diejenige, der/die die einzige ganze Mandel findet. Man darf es aber nicht lautstark verkünden, dass man die Mandel gefunden hat, sondern muss sie unauffällig im Mund behalten, bis alle aufgegessen haben. Das kann aber durchaus einige Zeit dauern, da die meisten so beschäftigt sind, wilde Vermutungen anzustellen, wer denn die Mandel haben könnte, dass sie ganz vergessen, ihre eigene Portion zu essen. 

Nach dem Essen werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen (auch Stille Nacht gibt es auf Dänisch) und dabei um den Christbaum mit brennenden Kerzen getanzt. Und wenn alle vom Weihnachtsmann („Julemand“) und seinen Wichteln („Nisser“) gebrachten Geschenkt verteilt und ausprobiert sind, fallen alle spätabends müde ins Bett.

 

Glædelig Jul allesammen!

 


von Sarah

Kommentar schreiben

Kommentare: 0