Irland und die (irren) Iren

Foto: irland-tips.de
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Eine Reise mit meiner Firmpatin führte mich in den letzten Sommerferien nach Irland. Wir waren eine Woche lang bei einer guten Freundin in der Nähe von Dublin untergebracht. Und ich erfuhr wirklich einiges über die (manchmal irren) Iren, ihre Lebensweise und ihre Eigenheiten…

Natürlich sind Iren nicht klein und rothaarig, tragen nicht immer grüne Kleidung und finden nicht ständig Schätze an den Enden von Regenbögen. Sie lieben nicht alle Kleeblätter und trinken keine Unmengen an Whiskey. Aber manches Andere, was man über sie so sagt, ist doch wahr.

 

Erstens fällt einem sofort die extreme Freundlichkeit der Iren auf. Schon am Flughafen wird man mit ihrem Optimismus und ihrer Höflichkeit konfrontiert: Die Schalterbeamten schauen wesentlich weniger grantig drein als in Österreich und geben bereitwillig Auskunft. Selbiges gilt auch für die Taxifahrer, die sich sogar nach dem Befinden erkundigen und sofort ein Gespräch beginnen. Als wir am Nachmittag des ersten Tages bei unserer Gastgeberin ankamen, wurde ich empfangen, wie ein alter, guter Freund, den man lange nicht mehr gesehen hat, und nicht wie ein Gast, der eine Woche auf Besuch ist. Sofort wurden uns heißer Tee und Kekse angeboten und wir wurden mit Fragen wie „How are you? How was your flight?“ regelrecht bombardiert. Auch alle anderen Einheimischen, denen wir in dieser Woche begegneten, waren super freundlich und zuvorkommend.

 

Natürlich sind die Iren auch sehr bekannt für ihre Pubs. Tatsächlich gibt es auf der grünen Insel extrem viele; die Städte werden förmlich von ihnen überflutet und auch am Land gibt es sie in Massen. Dies kommt davon, da sie den Nutzen von Gasthäusern, Kaffeehäusern und Bars in genialer Weise in einem Lokaltyp vereinigen. Das hat natürlich viele Vorteile; ein Problem ist aber, dass das Speiseangebot selten über Sandwiches und Toasts hinausreicht. Und Gasthäuser wie wir sie in Österreich kennen, gibt es in Irland eigentlich gar nicht. Wie dem auch sei, das Pub ist der wohl wichtigste gesellschaftliche Treffpunkt eines jeden Ortes. Man trifft dort seine Freunde, plaudert ein wenig und trinkt und isst gemütlich…

 

Die Tatsache, dass die Inselbewohner so gerne in diesen Lokalen herumsitzen, wirkt sich leider auch negativ auf ihre Fitness aus. Es klingt natürlich gemein, aber es kann nicht verschwiegen werden, dass Iren meist nicht besonders sportlich sind. Eine kleine Wanderung, die uns bergerprobten Österreichern nicht einen einzigen Schweißtropfen rauben könnte, kann für einen gemütlichen Dubliner zu einem Marsch mit der gefühlten Länge einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela werden. Um solche Erschöpfungszustände zu vermeiden, nehmen da die Iren lieber das Auto. Da es im Gefährt ja schön warm und gemütlich ist, machen sich viele Insulaner erst gar nicht die Mühe, bei Ausflügen auszusteigen. Tatsächlich sieht man zum Beispiel an meernahen Parkplätzen ganze Familien in Autos sitzen, Sandwiches essen und auf das Meer starren! Was hier wie eine skurrile Geschichte klingen mag, ist aber zweifelsohne wahr.

 

Nur weil viele Iren keinen Sport betreiben, heißt das noch lange nicht, dass sie ihn nicht gerne im Stadion oder vor dem Fernseher mitverfolgen: Fanatischere Fußballfans findet man wohl in kaum einem anderen Land der Welt. Ich erlebte den Riesenauflauf von Fans vor dem Dubliner Stadion kurz vor dem Spiel Schweden-Irland live mit. Patriotisch waren mindestens 90% der Anwesenden in grüne Trikots gekleidet, und sicher die Hälfte von ihnen hatte ihre äußere Erscheinung noch durch einen bemerkenswert dämlichen Hut bereichert. Skurril waren sie anzusehen, wie sie voller Freude und Euphorie grölend in das Stadion liefen. Da taten sie mir fast Leid, als sie eine Woche zuvor gegen Österreich verloren hatten…

 

Natürlich kann man nach diesem Text nicht glauben, die Iren wirklich zu kennen. Nicht wenn man einen Artikel liest, nicht wenn man eine Woche dort ist, vielleicht erst wenn man mehrere Monate in einem Land verbringt, kann man behaupten, dessen Einwohner zu kennen.  Selbstverständlich haben die Iren also noch viele interessante Eigenschaften und es gäbe noch Unzählbares mehr, dass man über sie schreiben könnte. Und wer weiß, wie unterschiedlich vielleicht die Menschen in Cork oder in Nordirland sind? Aber trotzdem hoffe ich, dass ihr nun einen kleinen Eindruck über die freundlichen und lobenswerten Einwohner der grünen Insel habt.

 

Einen Besuch kann ich unbedingt empfehlen!


von Tobi

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