Woher unsere Ortsnamen kommen... #1

 

Ein einfaches Tutorial zur Herleitung der sogenannten Toponyme

Linz, Leonding, Hellmönsödt, Schönau, Ottensheim… nur wenige Worte spielen in unserem Leben eine so große Rolle, wie die Namen der Orte, in denen wir leben, die uns vertraut sind, die wir hören und sehen.

Dabei denken die Meisten nur selten darüber nach, was diese eigentlich bedeuten. Wenn es sich nicht um aus klar definierten deutschen Wörtern bestehende Bezeichnungen wie „Lichtenberg“ oder „Niederneukirchen“ handelt, wirken sie wie undeutbare Relikte längst ausgestorbener Sprachen und Buchstabenreihen mit verborgenem oder nicht existentem Sinn.

 

 

Tatsächlich lassen sich die meisten keineswegs nur durch langwierige Forschungsarbeit entschlüsseln. Ob man es glaubt oder nicht – fast alle Ortsnamen bildeten sich nach festen Regeln oder entstanden aus ein paar Dutzend alten Wörtern, die die Landschaft und ihre Besonderheiten beschreiben. Mit ein wenig Hintergrundwissen lässt sich aus diesen Wörtern nicht nur ihre Bedeutung herauslesen, man kann auch Rückschlüsse über die Zeit ihrer Entstehung, das Volk, das den Ort gründete und die Begebenheiten des Geländes ziehen.

 

Ich habe mich ein wenig mit der Kunde der Namen unserer Ortschaften (auf g´scheit heißt das Toponomastik, davon abgeleitet Toponym = Ortsname) und Flure (also Felder, Wälder, und so weiter…) beschäftigt und möchte euch einen in Anbetracht meines geringen Wissens größtmöglichen kleinen Einblick in diese überraschend interessante Wissenschaft geben.

 

Jede Zeit hinterlässt ihre eigenen Toponyme, also reihe ich die wichtigsten Ortsnamentypen einfach in chronologischer Reihenfolge auf:

 

 

Römerzeit

 

Die Römerzeit hat in Österreich überraschend wenig Spuren hinterlassen. Diese wurden fast zur Gänze vom Chaos der Völkerwanderung im Frühmittelalter verwischt. Die alten Städte und Siedlungen wurden von umherziehenden Völkern geplündert, verwüstet, verbrannt, zerstört. Nirgendwo konnten sich dauerhafte Siedlungen halten, die Menschen benutzten Zelte als Schlafplatz, denn ständig war man auf der Flucht vor Feinden und Naturkatastrophen. Nichtsdestotrotz haben sich einige römische Namen, wenn auch in stark veränderter Form, erhalten. Beispielsweise leitet sich „Lorch“, der Name eines Dorfes in der Nähe von Steyr von „Lauriacum“, einer wichtigen antiken Stadt, ab. Daneben sind Namensteile wie „welsch“ oder „walch“ Hinweise auf eine ehemalige römische Siedlung – vgl. Seewalchen.

 

 

 

Fränkische Landnahme

 

Die erste größere Phase der „Landnahme“, also eben der Kolonisation und Besiedelung des zu dieser Zeit fast gänzlich mit Wald bedeckten Österreichs, erfolgte unter den von Westen kommenden Franken etwa vom 6. bis zum 9. Jahrhundert. Die Namen aus dieser Zeit lassen sich ganz eindeutig identifizieren, denn sie haben einige charakteristische Silben oder Endungen. Die wohl am häufigsten vorkommenden letzten fünf Buchstaben eines Toponyms sind „ingen“; in ihrer verkürzten Form sogar noch öfter auftretend als „ing“. Oftering, Leonding, Eferding, Hörsching, Pasching… die Liste kann man wohl unendlich weiterführen.

 

Die Bedeutung dieser Reihe von Namen ist eigentlich ganz simpel, wenn auch etwas kompliziert zu erklären. Nehmen wir als Beispiel das niederbayrische Geiselhöring: Der Gründer des Ortes, höchstwahrscheinlich ein niederer Adliger, ist Giselher, der nach etwa 1200 Jahren zu einem Geiselhör wurde. Seine Anhänger, die nun ihre Häuser am neuen Siedlungsplatz errichten, sind die „Giselheringe“ bzw. Geiselhöringe. Und der neu entstandene Ort der „Geiselhöringe“ ist Geiselhöringen. Im Laufe der Jahrhunderte fiel das „en“ am Schluss des langen Wortes einfach weg. Mit sämtlichen anderen „-ing“-Orten verhält es sich ganz ähnlich: In Leonding hieß der Gründer „Leon“ oder „Leonhart“, in Hörsching war es ein „Hörsch“ oder so ähnlich und die Dorfobersten von Petting, Arresting und Fucking hatten offensichtlich eigenartige fränkische Namen und schlechte Englischkenntnisse.

 

Weitere Toponymteile, die für die Zeit der Landnahme der Franken typisch sind, sind „-stetten“, was im Dialekt mit „G´stettn“ die ungefähre Bedeutung über mehr als ein Jahrtausend wahren konnte (vgl. Gramastetten; davon leitet sich übrigens das Wort „Stadt“ ab), „-ham“ und „-heim“, „-hofen“, und viele mehr. Fast alle beinhalten in irgendeiner Weise die Namen der Gründer, Gramastetten zum Beispiel leitet sich von „Grimhard“ ab, eine Ausnahme bildet Neuhofen, das nicht (!) von einem gewissen „Neu“ angelegt wurde. Eigentlich ist das gar nichts typisch Mitteleuropäisches; das Selbe machen selbstverliebte Politiker doch auch in Russland (Stalingrad) oder in Amerika (Georgetown).

 

 

Slawen in Österreich

 

Meistens verschweigt der Geschichteunterricht die gar nicht unbedeutende Tatsache, dass Österreich im Frühmittelalter zu großen Teilen von Slawen besiedelt war. Diese Völker besiedelten den Boden in Oberösterreich bis zur Enns, weiter im Süden drangen sie bis nach Osttirol vor. Die Franken vertrieben die Siedler schließlich größtenteils aus dem Land, taten dies aber weiter im Süden und Norden nicht. Das ist übrigens auch der Grund, wieso Österreich an drei Seiten von slawischen Völkern umgeben ist: Tschechen, Slowaken und Slowenen. Aus dieser weit zurück liegenden Periode haben sich besonders auf „-itz“ oder „-ice“ (nicht ausgesprochen wie eine beliebte Süßspeise oder ein Schnellzugtyp, sondern „itsche“) endende Ortsnamen erhalten. Dieses „-itz“ ist etwa die slawische Entsprechung zum fränkischen „-ingen“. Als Beispiele seien Gloggnitz oder das berühmt-berüchtigte Wullowitz angeführt.

 

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