Das Schülerparlament schafft sich (fast) selbst ab

 

Im vollen Terminkalender der letzten Woche vor den Semesterferien ist zweifelsohne kein Programmpunkt so umstritten wie das alljährliche Schülerparlament. Die Meinungen der Schüler zu dieser Versammlung sind so verschieden wie Tag und Nacht. Trotz heftiger Kritik von mancher Seite und dem Widerwillen zahlreicher Stifterschüler fand es auch heuer wieder statt. Wie es scheint, steckt das Schülerparlament in einer tiefen Krise.

 

Erstmals kam es in diesem Jahr zu keinem einzigen Antrag von Seiten der Schüler – lediglich die Schülervertretung führte Diskussionen und Befragungen durch. Dabei zeugt das, worüber abgestimmt wurde, keineswegs davon, dass alles perfekt und keine Veränderung notwendig ist! So wurde nun beschlossen, dass elektronische Mitschrift und Trinken im Unterricht auch ohne „ausdrückliche Genehmigung“ der Lehrkraft möglich sind. Sicher keine weltbewegenden Veränderungen, aber doch nicht ganz ohne Bedeutung für die Schülerschaft.

 

Der dritte und letzte Antrag, der ebenfalls von Seiten der Schülervertretung kam, zeugte davon, wie schlecht es um das SIP bestellt ist: Es ging tatsächlich um die eigene Abschaffung. Sofort entbrannte eine heftige Diskussion um die Bedeutung des Parlaments, an der sich eine überraschend große Menge an Anwesenden beteiligte. Die meisten der am Pult stehenden sprachen sich deutlich für die Beibehaltung des SIP aus, wobei durch das sukzessive Verschwinden von desinteressierten Zuschauern bald klar wurde, das keineswegs die deutliche Mehrheit hinter den Verteidigern stand. Heuer war vor allem der ungünstige Termin schuld am baldigen Verschwinden vieler Teilnehmer und am allgemein geringen Interesse. Denn – ferienbedingt vorverlegt – fand die traditionelle Faschingsfeier gleich nach dem Ende des Schülerparlaments statt. Ein Schuss ins eigene Knie der Schülervertretung, die diese Terminänderung organisiert hatte. Die politisch uninteressierten Schüler drückten ihren Unmut unter anderem durch einen Antrag auf vorzeitiges Beenden des SIP und früheres Sich-Besaufen im Erdgeschoss des Kaufmännischen Vereinshauses aus. Als es nun zur Abstimmung kam, ob man sich weiterhin jährlich im Namen der Demokratie auf der Pädak versammeln möge, stimmte doch die Mehrheit für das Parlament – das lag vielleicht auch nur daran, weil all jene, die kein Interesse am anwesend sein hatten, schon weg waren. Wiederum ein Schuss ins eigene Knie der SIP-Gegner.

 

Die jährlichen drei Stunden im Festsaal der Pädagogischen Hochschule waren schon immer heftig diskutiert; Wieso kam es aber genau heuer zu so einem Sinken des allgemeinen Interesses? Geht es uns einfach zu gut? Oder überwog die Frustration darüber, dass die Brandschutzbehörde die Umsetzung gefühlter 90 Prozent der Anträge verhinderte? Dabei zeigen doch die zwei nicht unbedeutenden Änderungen in der Hausordnung, dass der wohl Verbesserungsbedarf an unserer Schule besteht. Und mir fallen auf Anhieb weitere anzusprechende Punkte ein: Ein Wasserspender, die Versetzung der 5c in den dritten Stock, die Abschaffung der Brandschutzbehörde… Es überwiegt aber scheinbar der Unmut über drei Stunden „sinnloses Herumsitzen“.

 

364 Tage im Jahr haben die Lehrer und unser aller Chef, der Obergott, das Sagen. Die Chance, etwas selbst einfach und ohne gewaltige bürokratische Hürden zu verändern, haben wir Schüler nur an diesem Tag im Februar. Und wenn vielleicht auch nicht der Bedarf besteht, große Erneuerungen vorzunehmen, so sollten wir doch aus Prinzip dieses Recht der Mitbestimmung nutzen – oder zumindest verteidigen. Wenn man es überspitzt und nicht unbedingt schulbezogen formulieren darf: Politische Gleichgültigkeit ist der Nährboden für Diktaturen.

 

Aber gut, ich will ja nicht so moralpredigen, sondern nur ein bisschen zum Nachdenken anregen. Es ist einem jeden seine eigene Sache, ob er die drei Stunden auf der Pädak oder im Josef verbringt, denn eine Demokratie ohne der Möglichkeit der Stimmenthaltung – in welcher Form auch immer – wäre ja keine Demokratie.

von Tobias

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