Geheimnisse des Stiftergymnasiums - Teil 3

Im dritten Teil der beliebten Serie wird ein dunkler Teil der Geschichte unserer Schule enthüllt. Man möchte wieder einmal gar nicht glauben, was es alles über das Stiftergym zu erzählen gibt!

Nach den vorherigen Teilen der Reihe, die von einem vielfältig genutzten Stiegengeländer und einer Crystal-Meth-Küche im Chemiekabinett handelten, möchte ich euch heute einen Ort vorstellen, der eine weniger friedliche Geschichte hat – Mitunter hat unsere Schule auch so manch grausames Geheimnis. Denn diesmal geht es um historische Bestrafungsmethoden, die im Vergleich zu den heutigen deutlich blutiger ausfielen.

 

Teil 3 – Die gelbe Tür beim Werksaal

 

Wieder handelt es sich bei dem heute beschrieben Ort um einen solchen, an dem viele unserer Schüler beinahe täglich vorbeigehen, ohne auch nur im Entferntesten auf den Gedanken zu kommen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Jener Ort

eröffnet sich uns hinter einer schlichten, gelben Tür die vermeintlich unschuldig an einer Wand im Halbkeller unter dem Hinterhaus angebracht ist, und zwar in jenem üblicherweise nach Tonerde und Schülerschweiß riechenden Raum zwischen den beiden Werksälen. Wer schon einmal, sei es aus Neugier, sei es aus Langeweile, sich im Öffnen dieser Pforte versucht hat, wird mit Sicherheit bitter enttäuscht worden sein. Denn allen Nichteingeweihten ist der Zutritt verwehrt - aus gutem Grund.

 

Während sich heute die Strafe fauler und bösartiger Schüler meist auf rügende Worte, Mitarbeitsminus (Gott allein weiß die korrekte Mehrzahl dieses Wortes!) und

schlimmstenfalls Betragensnoten einschränkt, war das früher ganz anders.

Scheitelknien, Stockhiebe und „g´sunde Watsch´n“ gehörten zum Schulalltag. Wer

sich aber ganz besonders störend verhielt, der durfte nun das, was wir heutzutage nicht dürfen. Nämlich einen Blick hinter jene gelbe Tür im Keller werfen.

 

Hinter ihr führt eine dunkle, enge Stiege mehrere Meter tief ins Erdreich und endet in einem mit einer dicken, robusten Metalltür verschließbaren Raum. Stockdunkel,

Ausbruchssicher, Schalldicht. Und perfekt geeignet für alle, die es nicht für

notwendig erachteten, im Französischunterricht aufzupassen.

 

Wer den oft mehrere Tage dauernden Aufenthalt im Schulkarzer sitzend verbringen durfte, konnte sich glücklich schätzen. Metallhaken an Wänden und Decke dienten dazu, die Bestraften in allen möglichen unangenehmen Positionen zu befestigen. Zum weiteren Malträtieren dieser bemitleidenswerten Geschöpfe existierte ein Kasten mit Seilen, Fesseln und Peitschen – was sich wie ein Auszug aus der „Spielzeugsammlung“ des Mr. Christian Grey klingt, wurde allerdings üblicherweise

nicht dazu gebraucht, um die Schüler sexuell zu erregen (In der Schulchronik

sind allerdings Ausnahmen überliefert).

 

Im Jahre 1978 ereignete sich jedoch ein ganz besonders grausamer Vorfall, der der Anwendung dieser Bestrafungsart ein jähes Ende bereitete: Als im Zuge des Maturastreiches das Stiegengeländer im Hinterhaus schwer beschädigt wurde, was die Kastration der neuen Fünftklässler im Herbst unmöglich machte, sperrte der damalige Direktor am letzten Schultag vor den Sommerferien erzürnt den Hauptdrahtzieher der Aktion in den Karzer. Blöd nur, dass dieser und der Hausmeister nach Schulschluss lange Auslandsaufenthalte vornahmen und dem Schulgebäude bis September fernblieben. Nach im Herbst der Schulinspektor bei einem Kontrollgang durch den Keller einen intensiven Verwesungsgeruch wahrnahm, wurden der Direktor suspendiert und die bereits seit 1918 (mit Unterbrechungen in den 40ern) illegale Karzerhaft auch schulintern abgeschafft.

 

Das Einsperren der Schüler im Karzer war wirklich eine besonders grausame Bestrafungsmethode. Wenn auch die erwünschte Wirkung, nämlich eine Besserung des Verhaltens der Bestraften, so gut wie immer eintrat, dürfen sich alle Schüler glücklich schätzen, dass diese Methode nicht mehr erlaubt ist und bösartige Schüler heute anstatt eingesperrt nur mehr am Wochenende im Schulhof gepfählt werden. Und die meisten Lehrer tun zumindest auch so, als wären sie froh darüber.

 

Wenn sich auch von offizieller Seite aus hinter der schicksalhaften gelben Tür nur ein Kabinett mit Werkutensilien befindet, so möchte ich euch doch auffordern, nicht

gedankenverloren an ihr vorbeizugehen, sondern dankbar den Geschehnissen und

den positiven Veränderungen im letzten halben Jahrhundert zu gedenken.

 

Von Tobias

 

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