Wahnsinnsaufgabe VWA?! - Erfahrungen eines Achtklässlers (Teil 1) 

Mehr als 40000 Zeichen Text, Unmengen an erforderlicher Literatur, verteufelt komplizierte Regeln für das Zitieren ... Aus dieser Sicht kann das Verfassen der Vorwissenschaftlichen Arbeit nach furchterregender, monatelanger Mühe klingen. Braucht man wirklich Angst davor zu haben? Darüber möchte ich, der sich gerade mitten im "VWA-Stress" der achten Klasse befindet, erörtern, und nebenbei sinnvolle Tipps geben. Im ersten Teil geht es Themenfindung, Erwartungshorizont und weitere Vorbereitungen.

Ein Thema scheint in der Oberstufe – zumindest nach Vollendung der fünften Klasse –

allgegenwärtig zu sein. Völlig unerwartet tritt es immer wieder, wenn man gar nicht daran denkt, wie aus dem nichts auf: Zum Beispiel in Form von doppelstündigen Vorträgen über korrektes Zitieren, als Grübelei über das Finden des richtigen Themas, als Erwartungshorizont, der plötzlich dringend verfasst werden muss, oder in Form eines völlig überlasteter Servers des Bundesministeriums für ifie (was diese Abkürzung auch immer bedeuten mag).

 

Die Rede ist natürlich von der Vorwissenschaftlichen Arbeit. Von den 40-60000 Zeichen, die ein jeder Schüler bis zur achten Klasse zu Papier bringen muss, und die

manchmal sogar mehr Sorgen als die Matura selbst verursachen. Ob man sich darüber tatsächlich den Kopf zerbrechen muss, oder ob es doch nur ein Kinderspiel ist, – wie man manchmal auch von einigen Absolventen hört – das möchte ich als frischgebackener Achtklässler, der gerade selbst mitten im „VWA-Stress“ steckt, erörtern. Natürlich ist dies erst der erste Teil, denn ganz habe ich es ja noch nicht hinter mich gebracht. Aber trotzdem: Bisher habe ich schon einige Erfahrungen gemacht, und ich kann euch doch beruhigen: Keine Panik!

 

Die Themenfindung

 

Am Anfang war das Thema. So könnte der erste Satz der Entstehungsgeschichte einer jeden VWA lauten. Manche wissen vielleicht schon sofort, über was sie schreiben wollen, andere haben hunderte Ideen und können sich nicht entscheiden und wieder andere haben noch gar keine Ahnung. Vorweg ein wichtiger Hinweis: Egal welches Thema man nimmt, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, einiges dazu liest und

sich informiert, wird jedes Thema interessant und spannend. Also, Angst davor, dass ihr plötzlich das Interesse am Inhalt euer VWA verliert, braucht ihr nicht zu haben!

 

Überlegt, wenn ihr unentschlossen seid, einfach einmal, was euch interessiert – nicht, wo ihr euch gut auskennt! Vorwissen ist hilfreich, aber umso spannender ist es, über

etwas wenig Bekanntes zu schreiben, das einen fasziniert. Man erweitert so sein Wissen und entdeckt viel Neues – das kann oft interessanter sein, als über etwas, worüber man eh schon gut Bescheid weiß, zu schreiben. Wenn ihr jedenfalls ein paar Themen gefunden habt, die ihr spannend findet, grabt weiter! Recherchiert ein wenig im Internet, redet mit Leuten, die sich damit auskennen. Dann findet man schnell ein interessantes spezifisches, vertiefendes Gebiet, und genau darum geht es ja. Ein umfassendes, „großes“ Thema ist sowieso nicht erwünscht, und auch äußerst unpraktisch, da es da so viele Aspekte zu beachten gibt, dass die VWA entweder extrem lang oder – wenn man weniger wichtiges weglässt – kurz und oberflächlich wird. Ich weiß eh, die Lehrer haben das sicher schon hundertfach gesagt, aber sie haben ja wirklich recht damit.

 

Um das Ganze noch mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Ein Freund von mir, dessen Interesse der Geschichte gilt, hat „Belagerungsgeräte im Mittelalter“ als Thema gewählt, und nicht etwa „Schlachten im Mittelalter“ oder „Belagerungsgeräte von der

Römerzeit bis heute“. Dabei wäre hier sogar ein noch vertiefenderes Thema

sicherlich genauso sinnvoll gewesen, da man dann sich dann durch umso weniger

Literatur hätte durchschlagen müssen.

 

Dann noch ein persönlicher Tipp: Denkt auch darüber nach, etwas über eure direkte Umgebung zu schreiben (Das habe zum Beispiel ich mit „Architektur in Linz von 1860 bis 1914“ getan). Da habt ihr einen direkten Bezug zu eurem Thema, bringt etwas

über eure Nachbarschaft in Erfahrung und kommt schnell an „Material“ – Hierzu zählen selbstverständlich auch Leute, mit denen ein Interview lohnenswert ist. Und natürlich ist eure VWA dann auch (im Gegensatz zu einer Abhandlung über die

Funktion des Auges) entsprechend sinnvoll und für andere interessant – besonders dann, wenn ihr damit etwas erschafft, dass es in dieser Form noch nicht gibt, oder sogar etwas Neues herausfindet. Beispiele wären: Eine Abhandlung über die Geschichte eures Ortes, oder ein Text über ein abgekommenes Kriegsgefangenenlager oder KZ in eurer Nähe (leider gab es diese im Linzer Raum

einst ja reichlich), oder ihr schreibt über die Flora und Fauna des benachbarten Baches. Das ist auch für andere Leute von Nutzen, und vielleicht kann man ja, wenn man eine gelungene und interessante VWA produziert hat, sogar ein wenig Profit daraus schlagen.

 

Der Erwartungshorizont

 

Wenn man nun ein Thema gefunden hat, muss man den Erwartungshorizont, ein kurzes Schreiben über die Pläne zur VWA, verfassen und – das rate ich euch tunlichst – macht das möglichst bald und möglichst fehlerlos. Die Korrekturleser sind extrem genau, und so gut wie jeder Erwartungshorizont wird zur Verbesserung diverser

minimalster Fehler zum Verfasser zurückgeschickt – manche Individuen aus meiner

Klasse mussten ihn aufgrund von Beistrichfehlern oder anderen Lächerlichkeiten

bis zu fünf Mal ausbessern. Abgesehen davon ist der Server des Bundesministeriums, auf den die Erwartungshorizonte hochgeladen werden müssen, unmittelbar vor dem Ablauf der Frist üblicherweise völlig überlastet und damit häufig nicht abrufbar. Das kann noch einmal ziemlichen Stress auf der Zielgeraden verursachen.

 

In diesem Schriftstück müsst ihr auch schon mindestens drei Quellen angeben – also gilt auch bei der Literatursuche: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das Finden

entsprechender Bücher ist aufgrund des Internets meistens eh nicht schwer, und was die regionalen Bibliotheken nicht im Angebot haben, kann man glücklicherweise ja auch online bestellen. Am besten über den nächsten Buchhändler und nicht über Amazon.

 

Zahllose Vorträge…

 

Während der siebten Klasse müsst ihr eine Vielzahl von Vorträgen über korrektes Zitieren, richtiges Layout und bla bla bla über euch ergehen lassen. Nichts gegen die

ambitionierten Versuche der Lehrpersonals, uns so die richtigen Methoden näher zu bringen, aber meines Erachtens ist die Sinnhaftigkeit derartiger Seminare nur eingeschränkt, da die selbe Information im Internet auf unzähligen Webseiten rund um die Uhr auf wenige Seiten übersichtlich und idiotensicher zusammengefasst verfügbar ist. Aber trotzdem erfährt man sicher das eine oder andere, das interessant sein könnte – systematisches Schwänzen der Vorträge ist also nicht unbedingt die sinnvollste Methode zur Informationsbeschaffung zur VWA.

 

Soviel einmal zur Vorbereitung auf das Verfassen des Textes. Im nächsten Teil, der bald folgen wird, berichte ich dann von meinen Erfahrungen mit dem Schreiben. Und das ist gar nicht so schrecklich, wie man glauben möchte.

 

von Tobias

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