Urlaub unter Saurons Blicken

Der Praxis-Test beweist: Mittelerde ist allemal eine Reise wert!

Endlos lange Sandstrände, azurblaues Meer, luxuriöse All-inclusive-Hotelburgen,

kulinarische Spezialitäten… all das kennen wir von unzähligen Mittelmeerurlauben, all das gehört zu den Sommerferien wie der Kater nach dem Abrüsten. Die Reisebürokataloge und die Speicherkarten unserer Digitalkameras sind voll mit solchen Bildern. Bildern, die uns nicht mehr zu reizen vermögen, die schon beginnen, uns zum Hals herauszuhängen! Deswegen habe ich im heurigen Sommer beschlossen, etwas völlig Neues auszuprobieren. Voller Mut und Neugier habe ich mich in einen Abenteuerurlaub in ein den meisten ziemlich wenig bekanntes Land gestürzt, das mit völlig anderen Reizen als die klassischen Urlaubsländer aufwarten kann und spannende neue Eindrücke mit sich bringt. Dieses Jahr buchte ich eine Rundreise durch das faszinierende Land Mordor.

 

Als ich meinen Freunden von meinem Urlaub erzählte, blickten die meisten von ihnen

nur ratlos drein. Fast alle kannten den Staat nur aus dem dreiteiligen Dokumentarfilm-Klassiker „Der Herr der Ringe“. Es kam vor allem sehr häufig die Frage auf, wo denn dieses Mordor überhaupt liege. Es ist erschreckend, dass eigentlich niemand die genaue Lage kannte – sogar Leute, die nicht von Baumi in Geographie unterrichtet wurden.

 

Tatsächlich befindet sich dieser rauchumwölkte Binnenstaat – auf der Karte ganz leicht zu finden - im Herzen des Kontinents Mittelerde, östlich von Gondor, zwischen den Landstrichen Khand und Rhun – etwa 9 Flugstunden von Wien-Schwechat entfernt, von wo einmal die Woche ein Linienflug nach Minas Tirith geht. Mordor selbst wird von den meisten Airlines nicht angeflogen, da die stetig über dem Land

schwebenden Aschewolken ein Navigieren im Luftraum fast unmöglich machen.

 

Am Flughafen jener in Gondor liegenden Stadt angekommen, begab ich mich in den

bequemen Reisebus, wo ich auf die nette Reisegruppe traf, die ich nun die nächste Woche begleiten durfte. Auf schmalen, staubigen Bergstraßen wurden wir zur ersten Station der Rundreise geführt: Zum Cirith-Ungol-Sattel über das zerklüftete Schattengebirge, von wo sich uns ein atemberaubender Blick über die kargen und lavadurchströmten Ebenen von Mordor bat. Gleichzeitig konnten wir die wehrhaften Festungen auf der Passhöhe bestaunen, in deren Kellern bis heute Orks gefoltert werden. Wenn man genau hinhorchte, konnte man sogar ihre verzweifelten Todesschreie vernehmen.

 

Bald ging es weiter: Nach einer ewigen Kurverei kamen wir endlich in der Tiefebene

jenseits des Gebirges an. Schnurgerade führte die Straße hunderte Kilometer durch eine finstere Steinwüste vorbei an dampfenden Lavaseen und verwesenden Leichenbergen. Faszinierend! Erst am späten Abend kamen wir schließlich in der

beschaulichen Ansiedlung Sammath Naur am Orodruin an, die am Fuße des gewaltigen Schicksalsberges liegt. Dieser beeindruckende Felskegel steht völlig isoliert in der Hochebene von Gorgoroth und ragt rund 4000 Meter in den rauchbedeckten Himmel. Sofort begaben wir uns in das Hotel, wo uns ein etwas grantiger Gepäckork die Koffer abnahm. Zum Abendessen genossen wir gekochte Ziegenaugen in Hafergrütze. Hmmm!

 

Am darauffolgenden Tag unternahmen wir eine Stadtführung. Der nette Stadtführer,

ein großgewachsener Ork mit leider nur eingeschränkten Englischkenntnissen, zeigte uns die Sehenswürdigkeiten: Wir starteten am zentralen Platz, wo wir das Sauron-Denkmal bewunderten: Auf einem großen Steinsockel befindet sich da ein riesiges Bronzeguss-Auge, das in der Nacht leuchtet. Wir bekamen auch das lokale Sklavenlager und den Sauron-Gedächtnis-Tempel zu Gesicht. Besonders stolz sind die Sammath-Naurer auf das Geburtshaus von Johanna Mikl-Leitner (vgl. Tagespresse), in dem sich derzeit ein Museum befindet.

 

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Barad-Dur, zur möglicherweise

berühmtesten Sehenswürdigkeit Mordors. Die gewaltige Festung, deren Mauern

mehrere etwa 1400 Meter hoch sind, ergibt – zusammen mit dem aschespeienden

Gipfel des Orodruin im Hintergrund – das Postkartenmotiv schlechthin. Seit 2004

befindet sich die Anlage, die zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Orkheit

gehört, auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. Für Touristen ist sie leider nur eingeschränkt zugänglich, da die ja nach wie vor Sitz des dunklen Herrschers ist, der von dort mit seinem riesigen Auge seine Landsleute ausspioniert und die Daten dann

an Facebook weiterverkauft.

 

Im weiteren Verlauf der Reise kamen wir zum Nurnenmeer, der „Adria von Gondor“,

wie sie – aufgrund des regen Badebetriebs - gerne genannt wird. Jahr für Jahr

verbringen Millionen von Orks ihren Sommerurlaub an der kargen Küste des Binnengewässers. Und das zurecht: Nichts ist schöner als ein Bad im tiefschwarzen, ätzenden Wasser, oder wie man die Flüssigkeit auch nennen mag. Nur bekamen die meisten Mitglieder der Reisetruppe nachher fürchterliche Hautausschläge. Aber der Ärger währte nicht lange: In Ägypten hätten wir Durchfall und in Kenia Ebola bekommen, da kann man über solche winzigen gesundheitlichen Beschwerden leicht hinwegsehen.

 

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts am Nurnenmeer geschah etwas, dass ich nie

vergessen werde: Als ich nichtsahnend über den blutgetränkten Kiesstrand am Ufer spazierte, erkannte ich da in einer Strandliege ein bekanntes Gesicht: Da lag doch tatsächlich Frau Prof. Hazog [Name von der Redaktion geändert], die beliebte Chemielehrerin! Sofort verwickelte ich sie in ein interessantes Gespräch.

 

Auf die Frage, wieso sie hier Urlaub mache, antwortete sie: „Nirgendwo anders kann

ich so gut negative Energie tanken, wie hier. Die brauche ich im Schuljahr dringend, um die Schüler möglichst zynisch und bösartig behandeln zu können. Außerdem kann man hier so gut fiese Pläne aushecken!“ Übrigens sollen auch Vladimir Putin, Heinz-Christian-Strache und die Wut-Oma regelmäßig am Nurnenmeer ihren Urlaub verbringen.

 

Viel zu schnell war die Zeit in Mordor zu Ende: Schon am sechsten Tag traten wir die Rückreise an. Als wir über den Cirith-Ungol-Pass fuhren und ich ein letztes Mal über den lebensfeindlichen Landstrich blicken konnte, kamen mir fast die Tränen. Die Woche wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Aber ich komme wieder: Die Frühstückspension in Carach Angren ist schon gebucht!

von Tobias


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Kommentare: 1
  • #1

    turboswag (Dienstag, 10 November 2015 20:04)

    sheeeesh