Nach den Anschlägen: Weltweite Solidarität

Am Freitagabend ereignete sich in Paris einer der verheerendsten Terroranschläge, zu denen es je in Europa kam. 132 Menschen kamen bei den grausamen Attentaten, die von einer Gruppe radikaler Islamisten verübt wurden, ums Leben. Die Welt reagiert

mit Entsetzen und Mitgefühl.

Es ist wirklich beeindruckend: Wenn man den Fernseher einschaltet oder das Internet

durchforstet, trifft man überall auf tiefes Bedauern, auf Trauer, auf Fassungslosigkeit.

Besonders über die sozialen Netzwerke drücken Millionen von Nutzern ihre Solidarität mit den Opfern aus. Zahlreiche Profilbilder von Usern diverser Webseiten wie Facebook sind in den Farben der französischen Flagge eingefärbt, in unzähligen Posts und Kommentaren drücken Leute ihr Mitgefühl aus.


In so gut wie allen größeren europäischen Städten kam es bereits am Samstag zu Trauermärschen. An berühmten Plätzen werden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Das Ars Electronica Center in Linz erschien am Wochenende in Rot, Weiß und Blau. Am Montag legten viele Schulklassen, auch im Stiftergymnasium, eine Schweigeminute ein.


Ähnlich war es auch bei dem Anschlag auf das Magazin Charlie Hebdo im Jänner des heurigen Jahres. Mit dem Satz „Je Suis Charlie“, der auf Plakaten, in Zeitungen, in den sozialen Netzwerken zu lesen war, bekundeten weltweit Millionen von Menschen

ihre Solidarität mit den Opfern. In den Wochen nach dem Attentat kam es überall auf der Welt, sogar in Linz, zu Demonstrationen und Trauerzügen; in Paris versammelten sich an einem Tag alleine 1,6 Millionen Menschen, um den Verstorbenen zu gedenken. Dass es jetzt zu ähnlichen, womöglich sogar noch größeren Versammlungen kommen wird, ist kaum anzuzweifeln.


Die berührende Anteilnahme so vieler Menschen auf der ganzen Welt zeigt, wie tief dieses Attentat die westlichen Staaten trifft. Der Schreck sitzt tief in den Knochen, die Angst ist groß. Europa ist erschüttert. Die Ereignisse werden weitreichende Auswirkungen haben, und damit meine ich nicht Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen und Intensivierung des Kampfes gegen den Terror. Die

Diskussion um Einwanderung und die Flüchtlinge wird eine neue Richtung einwenden, die Politik wird ihr Vorgehen ändern. Und Österreich kann nicht mehr still dasitzen und sich derart mit kleinlichen innenpolitischen Streitereien befassen.


Die Anschläge in Paris werden spürbare Auswirkungen haben, welcher Art sie letztendlich sind, sei dahingestellt. Eines ist aber klar: Der Islam wird für viele immer mehr zum Feindbild, Einwanderer und Flüchtlinge befinden sich in den Augen zahlreicher in einem Topf. Die Fronten zwischen links und rechts werden sich verhärten.


Dabei sind Intoleranz, Abschottung und Ausländerfeindlichkeit sicher nicht die richtigen Mittel, um den Terror abzuwenden. Genauso, wie übersteigerte Toleranz und Naivität schlimme Folgen mit sich ziehen können: Gegen religiösen Fundamentalismus, fanatischen Islamismus und Gewalt müssen mit aller Härte vorgegangen werden. Es ist nun wichtig, dass unterschieden wird zwischen Extremisten und friedlichen Gläubigen.


Die riesige Solidarität mit den Opfern hat, so beeindruckend und redlich sie ist, in der

Form, in der sie nun so präsent ist, eben auch ihre Kehrseite: Der gesamte Islam wird so nur noch mehr zum Gegenstand blinder Wut und Intoleranz, zur Differenzierung zwischen den radikalen Gruppen und der Masse der gemäßigten Gläubigen trägt sie kaum bei. Etwas fragwürdig mutet auf mich auch die Tatsache an, dass als Symbol für die Betroffenheit und das Mitgefühl ausgerechnet die französische Flagge dient. Was hat der Staat Frankreich mit den Opfern zu tun? Es handelt sich dabei doch, wie Obama so treffend ausdrückte, um einen „Angriff auf die ganze Menschheit“. Stellvertretend für die Menschen die Farben eines Staates als Zeichen des Zusammenhalts und der Solidarität zu benutzen, ist, gerade in solchen Zeiten, wo der internationale Zusammenhalt wichtig wie nie ist, wohl ein falsches Statement.

von Tobias

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Kommentare: 1
  • #1

    aichhorn fritz (Dienstag, 17 November 2015 01:28)

    natürlich die französischen farben, der angriff fand ja in paris statt und damit im herzen europas, was uns unmittelbar betrifft. wenn in nigeria, so wie im oktober 200 leute attentaten zum opfer fallen bearbeiten wir nicht unsere facebookbilder.