Video von Autoattacke bei Fahrraddemo wird zum Youtube-Hit: Interview mit dem Filmer

Am 30. Oktober kam es in Linz bei einer Fahrrad-Demonstration von „Critical Mass“-Aktivisten zu einem erschreckenden Vorfall: Ein Auto fuhr, nachdem es mehrere Sekunden behindert und von den Demonstranten provoziert wurde, rücksichtslos durch die Gruppe von Radfahrern und stieß dabei einen Teilnehmer nieder, der leicht verletzt wurde. Valentin Hötzeneder filmte das Ereignis zufällig und ließ das Video auf You-Tube hochladen: Innerhalb kurzer Zeit hatten zwei veröffentlichte Versionen des kurzen Streifens zusammen über 150 000 Klicks. Wir haben den Zeugen und Filmer zur Attacke des Autofahrers, den rechtlichen Konsequenzen und dem medialen Echo interviewt.

buntStifter: Was ist an diesem Abend genau passiert?

Valentin Hötzeneder: Wir sind im Rahmen der Critical-Mass-Demo unterwegs gewesen und in der Nähe des Lenauparks gefahren, als auf einmal ein weißer Audi gekommen ist und angefangen hat, uns von hinten zu bedrängen; er wollte durch die Menge durchfahren. Ein Radfahrer ist am rechten Fahrbahnrand gefahren; der Autofahrer dürfte sich von ihm irgendwie provoziert gefühlt haben und hat ihn dann einfach, wie man im Video sieht, auf der rechten Seite geschnitten. Der Radfahrer ist daraufhin nach rechts gestürzt. Der Audifahrer hat dann gemerkt, dass er einen Scheiß gemacht hat und ist mit Vollgas weggerast. 200 Meter weiter vorne war dann eine Kreuzung, da haben andere Leute auch schon begonnen, ihn zu filmen; da er einen ziemlichen Stress bekommen und ist noch über die rote Ampel gefahren.

buntStifter: Was war dann eure erste Reaktion?

Valentin: Es ist zum Glück niemand wirklich verletzt worden, der gestürzte Radfahrer hat nur ein paar kleine Schürfwunden, aber nichts Ernsthaftes. Also haben wir zuerst einmal gar nichts getan, auch die Polizei nicht verständigt.

buntStifter: Gibt es dem Autofahrer gegenüber jetzt keine Sanktionen?

Valentin: Doch, der Radfahrer hat den Autobesitzer später dann angezeigt. Aber dieser sagt, er sei zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Auto gefahren und er weiß nicht, wer da am Steuer gesessen ist. Ob das stimmt, ist natürlich unklar. Ich hoffe

jedenfalls, dass es Zeugen gibt; ich selbst habe den Fahrer aber nicht gesehen, denn der Audi hat verspiegelte Scheiben [Man sieht auch im Video den Fahrer nicht]. Was ich weiß, stehen bis zu drei Jahre Haft auf Körperverletzung mit Fahrerflucht.

buntStifter: Das Video ist bald darauf auf YouTube gestellt worden und hat eine Menge Klicks bekommen. Wie sehen denn die bisherigen Reaktionen aus?

Valentin: Ich habe das Video zuerst nur in eine Gruppe gestellt, ein Freund hat dann vorgeschlagen, es im Internet zu veröffentlichen. Ich dachte zuerst, es würde nicht besonders viele Leute interessieren, aber das genaue Gegenteil ist eingetreten; es waren sogar Berichte in diversen anderen Medien [u. a. OÖ Nachrichten; Vice; LT1].

Besonders auf YouTube gab es viele Reaktionen; das mit zu verfolgen war sehr spannend. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich; es gibt auch viele Leute, die den Audifahrer sehr unterstützen, da habe ich zum Teil echt heftige Kommentare gelesen, sogar, dass der angefahrene Radfahrer dem Autofahrer einen Tankgutschein zahlen müsste! [siehe auch weiter unten]

buntStifter: Freust du dich darüber, dass sich das Video so stark verbreitet? Dass du damit auch sicher einiges bewirken kannst?

Valentin: Ja, klar. Gerade als Radfahrer wird man von Autofahrern oft rücksichtslos behandelt, und es ist gut, zu zeigen, dass es teilweise auch zu solch argen Vorfällen kommt.

buntStifter: Du fährst ja öfter bei Critical Mass mit. Ist dir so etwas schon einmal passiert?

Valentin: Probleme gibt es eigentlich fast immer; es kommt oft vor, dass Autofahrer

schimpfen, aber dabei bleibt es sonst.

buntStifter: Worum geht es bei Critical Mass genau?

Valentin: Wir treffen uns immer an jedem letzten Freitag im Monat um halb fünf und fahren in der Gruppe mit den Rädern durch Linz, für ungefähr ein zwei Stunden. Das tun wir, um auf das schlechte Radwegnetz in der Innenstadt aufmerksam zu machen und um gegen die Vorherrschaft der Autos zu demonstrieren.

buntStifter: Danke für das Interview!


Zur Website von Critical Mass u. a. mit weiteren Berichten über den Vorfall

Abschließend seien noch ein paar heftige Youtube-Kommentare zitiert:

 

Sebastian Strobl:

„selbst schuld wenn man als radfahrer so provokant auf der straße fährt und den verkehr behindert“

 

asg181:

„Ihr radfahrenden hurensöhne gehört alle so ungenietet! Wer so provokant mit seinem beschissenen Zweirad fährt verdient nichts anderes. Lob an den autofahrer“

 

Ruffy:

„Radfahrer, verpisst euch von der Straße!!! Selbst Schuld - einfach unnötig und dreist die Straße zu blockieren.“

von Tobias

Nachtrag (1. 2. 2016): Der Autofahrer kam mittlerweile vor Gericht und muss nun aufgrund von "leichter Körperverletzung" eine Strafe in der Höhe von 1800 Euro zahlen. Er gab an, von den Radfahrern provoziert worden zu sein und dann eine "Kurzschlusshandlung" begangen zu haben. Mehr dazu auf der Homepage der OÖ Nachrichten. 

 

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