Nach der Podiumsdiskussion: Wie wählt das Stiftergym jetzt?

Im Bild oben die 255 ausgewerteten Zettel

In nicht mehr allzu langer Zeit wählt Österreich seine/n Bundespräsidenten/in – nicht nur aufgrund der Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstag derzeit eines der am heißesten diskutierten Themen in unserer Schule. Schon am Dienstag und am Mittwoch befragten wir fast 250 Schüler des Stiftergymnasiums, wen sie wählen würden. Die Ergebnisse waren überraschend und sehr eindeutig: Ganze 62 Prozent stimmten für Van der Bellen; Griss, Hundstorfer und Khol erreichten jeweils um die 10 Prozent. Für Hofer stimmte nur ein Befragter. Interessanterweise wussten allerdings 38% noch nicht, wen sie wählen sollten – diese fast 100 Schüler wurden allerdings nicht in die Statistik einbezogen. 

Nun, nachdem wir mit Alexander van der Bellen und Rudolf Hundstorfer vor den Besuchern des Stiftergymnasiums diskutierten, veranstalteten wir heute, Freitag, eine weitere Umfrage zum gleichen Thema. „Wen würdet ihr jetzt, nach der Podiumsdiskussion, wählen?“ wollten wir von diesmal 255 Schülern wissen. Eine kleine Änderung gab es allerdings: Unter anderem weil Richard Lugner mittlerweile bekannt gegeben hatte, für dieses Amt zu kandidieren, standen nun alle antretenden Kandidaten zu Wahl, während es bei der vorhergegangenen Umfrage nur um die zur Podiumsdiskussion geladenen Gäste, also Griss, Hofer, Hundstorfer, Khol und Van der Bellen, ging. Dies änderte aber nur wenig an den Ergebnissen.

Weniger Unentschlossene

 

Diese waren zum Teil eher unspektakulär: Es kam zu keinen überrschenden Verschiebungen; ins Auge springt lediglich, dass die Zahl der unentschlossenen Schüler erwartungsgemäß deutlich geschrumpft ist. Nur 19,2% - also etwa um die Hälfte weniger – wissen nach wie vor noch nicht, wen sie wählen sollten. Auch hier werden diese in die eigentliche Statistik nicht einberechnet, da dies sonst die Daten verfälschen würde. Etwas banal formuliert: Bei der Wahl selbst kann man schließlich auch nicht „Ich weiß es nicht“ ankreuzen. 

Hundstorfer und Van der Bellen

 

Es ist wenig überraschend, dass genau die Präsidentschaftskandidaten, wie bei der Podiumsdiskussion anwesend waren, Gewinne machten, während Khol, Hofer und Griss Verlusten einfahren mussten. Alexander Van der Bellen konnte noch einmal um rund 12 Prozent zulegen und hat somit 73,8%, also fast drei Viertel der Stimmen! Ein äußerst eindeutiges Ergebnis, das auch daher rührt, dass er bei der Diskussion gut argumentierte und ausführlich auf die Fragen einging. Rudolf Hundstorfer konnte – trotz eines ebenfalls überzeugenden Auftritts – seine Werte nur minimal, nämlich von 9,1 auf 9,7 Prozent aufbessern.

Weitere Kandidaten

 

Prozentuell gesehen am meisten verlor Andreas Khol, der von 12,7% um zwei Drittel auf 4,4% schrumpfte; ähnlich erging es Irmgard Griss, die anstatt 15,8% bei der zweiten Umfrage lediglich 5,8% hat. Norbert Hofer konnte wieder nur genau eine Stimme holen, was – aufgrund einer größeren Anzahl von Schülern als bei der ersten Befragung – ein Verlust um 0,2 Prozentpunkte bedeutet.

 

Neu im Rennen sind auch weitere Amtsanwärter, der erfolgreichste unter ihnen ist Richard „Mörtel“ Lugner, der ganze 3,9% schaffte. Elfriede Awadalla, die insgesamt weniger bekannte, politisch linke Dialektautorin und Millionenshowgewinnerin, erreichte 1,0%. Eine Stimme, also 0,5 Prozent, erhielt Thomas Reitmayer von der Satire-Partei „Die Partei“. Ein weiterer Schüler stimmte für die „Vier apokalyptischen Reiter“; da man aber nur eine einzelne Person wählen kann und zudem keiner dieser Männer antritt, geschweige denn existiert, gaben wir diese zu den ungültigen Stimmen, die damit auf 1% anwachsen. 

Analyse

 

Wie die Umfrage zu den Landtagswahlen im Juni 2015 gezeigt hat, sind die NEOS und die Grünen mit jeweils rund 30 Prozentpunkten die beliebtesten Parteien, wobei allerdings zu diesem Zeitpunkt viele im Eindruck der guten Präsentation von Judith Raab (NEOS) bei der damaligen Podiumsdiskussion standen. Die ÖVP kam mit 19 Prozent auf den dritten Platz.

 

Dass Alexander Van der Bellen der große Gewinner im Stiftergymnasium ist, verwundert also wenig: Die Grünwähler dürften zum größten Teil für ihn stimmen, aufgrund seiner wirtschaftlich eher liberalen Ansichten gilt Selbiges auch für viele NEOS-Wähler. Andreas Khol ist den meisten jungen Volksparteianhängern zu konservativ, weswegen viele von ihnen – vielleicht auch im Eindruck der gelungenen, ehemaligen schwarz-grünen Zusammenarbeit in Oberösterreich – ebenso für Van der Bellen stimmen. Anhänger der Sozialdemokraten gibt es im Stiftergym ohnehin wenige, genauso sind auch FPÖ-Wähler kaum vertreten. 

Orthographische Mängel

 

Beim Auszählen der Stimmen ist eines besonders ins Auge gefallen: Mit der Rechtschreibung bei den Präsidentschaftskandidaten hapert es oft. Deswegen haben wir beschlossen, auch hierüber Schrift zu führen. So stießen wir bei Van der Bellen auf zahlreiche inkorrekte Schreibweisen: Von der Bellen, Vom der Bellen und – interessanterweise besonders häufig – Van da Bellen. Insgesamt konnten aber 88% den Namen richtig buchstabieren. Schlimmer sah es da bei Rudolf Hundstorfer aus: Lediglich 45% machten keine orthographischen Fehler. Vor allem das „t“ in „torfer“ wurde, wie zu erwarten, oft zu einem weichen „d“. Vorreiter ist aber Andreas Khol: 56% setzten das stumme „h“ falsch und machten damit aus dem Präsidentschaftskandidaten Gemüse.

 

Man kann nicht unbedingt sagen, dass die Podiumsdiskussion die Meinungen der Schüler stark veränderte. Wie zu erwarten stimmten noch mehr Personen für die beiden Gäste, die anderen Kandidaten verloren zum Teil stark. Allerdings haben sich durch sie viele noch Unentschlossene entschieden, zudem wurde sehr vieles über die Amtsanwärter bekannt.

von Tobias Lindorfer

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