Linz: 3000 Jahre im Zeitraffer - Teil 1

Linz, die Hauptstadt Oberösterreichs, eine der größten und bedeutendsten Siedlungen unseres Landes mit seit Kurzem schon über 200 000 Einwohnern, kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Nirgendwo kann man diese besser ablesen, als an der Stadt selbst: an den Straßen, den Häusern, den Vierteln. Darum möchte ich euch auf eine spannende Zeitreise durch über 2000 Jahre Stadtgeschichte mitnehmen, die Linz zu dem machten, was es heute ist – nicht ohne einen Ausblick auf die mögliche Zukunft zu geben!

Die Lage

Es ist kein Zufall, dass Linz dort steht, wo es steht. Im Bereich der Altstadt kreuzen sich wichtige Wege von europäischer Bedeutung: Von Westen nach Osten verläuft die Donau, zugleich Handelsstraße und Hindernis, wobei sich an der Stelle der heutigen Nibelungenbrücke die erste Möglichkeit zum Anlegen der von Westen, aus dem engen Tal zwischen Mühlviertel und Kürnbergerwald kommenden Schiffe befindet. Von Süden und Südwesten führen Landrouten aus dem Salzkammergut und dem Salzburgischen zum Flussübergang, die nördlich der Donau über den Haselgraben und Freistadt nach Böhmen weiterführen. Zudem ist das Linzer Becken leicht zu verteidigen: im Westen eine schwer einnehmbare Hügelkette, nach Norden 300 Meter reißendes Wasser. 

Älteste Spuren

Kein Wunder also, dass sich am Schlossberg, im Bereich der Martinskirche, Siedlungsspuren finden lassen, die lange vor die Römerzeit datieren. Am Gipfelplateau des Freinberges befinden sich sogar Wallreste einer noch älteren Festung (12./13. Jahrhundert vor Christus).

 

Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus errichteten die Römer ein kleines Kastell, genannt „Lentia“. Der Name leitet sich von der vorrömischen Siedlung mit dem Namen „Lentos“ ab, was angeblich „krumm, gebogen“ (bezieht sich auf den Verlauf der Donau) bedeuten soll. Jenes Kastell befand sich etwa im Bereich Promenade-Herrenstraße-Spittelwiese und ist heute völlig verschwunden. 

Frühmittelalter

Zur seitlichen Abbildung: 

 

Dunkelviolett: Die älteste Stadtmauer vom Ende des Frühmittelalters

Hellviolett: Die Befestigung aus dem frühen 13. Jahrhundert

Hellblau: Die Erweiterung um 1250

Schwarz: Der ehemalige erste Hauptplatz in Linz, heute durch einen Häuserblock in zwei Teile geteilt

 

 

In den Wirren der Völkerwanderungszeit verlegte sich „Ur-Linz“ wieder auf den leichter zu verteidigenden Schlossberg; es ist anzunehmen, dass seit der Antike eine kontinuierliche Siedlungstätigkeit herrschte; das Gebiet also nie völlig unbesiedelt war – im Frühmittelalter längst keine Selbstverständlichkeit!

 

Nach der Völkerwanderung unterstand die Gegend bald, wie große Teile des heutigen Österreichs, den bairischen Herzögen, die – häufig von Passau ausgehend – bis in die Wachau intensive Rodungs- und Kolonisierungstätigkeit betrieben. Linz, damals schon ein regional bedeutender Markt, wird im Jahre 799 erstmals als „Lintze“ erwähnt.

 

Zu unbekannter Zeit, wohl noch vor der Jahrtausendwende, wechselte die Siedlung in den Bereich unterhalb des Schlossberges. Diese mit Mauer umgebene Keimzelle der heutigen Stadt war winzig und befindet sich zufällig genau in dem Bereich, in dem sich der Linzer Jugendliche freitagabends zu betrinken pflegt.

 

Erstaunlicherweise lässt sich der Bereich mithilfe von Altstadtlokalen relativ präzise umgrenzen: Er reichte etwa vom Chaplin´s über das Gebiet zwischen Hauptplatz und Alten Markt, im Süden bis zum Aquarium, im Westen hinter Stone´s bzw. living room und Smaragd vorbei, nach Norden bis zum ehemaligen Roten Krebs/Donaulände bis zum El Mariachi, durch´s VIP und über Vanilli wieder zum Chaplin´s.

 

Im Hof des Hauses Hauptplatz 16 kann man noch einen vermutlichen Rest der ältesten Stadtmauer erkennen. Die Durchfahrt steht meistens offen, weil sich innen Geschäfte befinden. Eine Besichtigung ist nicht ganz uninteressant. Der Alte Markt und der kleine dreieckige Platz zwischen Smaragd, Barok Belgie, Biertempel und dem El bildeten zusammen übrigens den ersten Linzer Hauptplatz aus; später wurde er durch einige Häuser in der Mitte getrennt. 

Weiter geht es bald mit dem Rest des Mittelalters, in dem unsere Stadt den bedeutenden Hauptplatz erhielt und mit einer mächtigen Stadtmauer versehen wurde!

von Tobias Lindorfer

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