Linz: 3000 Jahre im Zeitraffer - Teil 2

Im zweiten Teil der buntStifter-Reihe zur Stadtentwicklung von Linz geht um die Anlage der heutigen Altstadt mitsamt dem großartigen Hauptplatz sowie die Ausdehnung der immer größer werdenden Stadt vor den Mauern: Vieles aus dieser Zeit ist verschwunden, und manches prägt Linz bis heute. Und so manche bauliche Besonderheiten künden von längst vergessenen Wehranlagen, Stadttoren und Stiften. 

 

Das Foto zeigt die Promenade in Richtung Taubenmarkt: der platzartige Straßenzug entstand durch Aufschüttung des Stadtgrabens, der einst verlief, wo sich heute Straße, Bäume und das Traxlmayr befinden. 

Linz wird neu angelegt: Das Hochmittelalter

Abbildung rechts:

 

Dunkelviolett: Die älteste Stadtmauer vom Ende des Frühmittelalters

Hellviolett: Die Befestigung aus dem frühen 13. Jahrhundert

Hellblau: Die Erweiterung um 1250

Schwarz: Der ehemalige erste Hauptplatz in Linz, heute durch einen Häuserblock in zwei Teile geteilt

 

 

Im frühen 13. Jahrhundert wurde Linz von den Babenbergern aufgekauft und gelangte somit an Österreich. Unmittelbar darauf ließen die neuen Herren die Stadt großzügig erweitern: Es entstand der mächtige Hauptplatz, einer der größten und beein-druckendsten Märkte des Landes. Solche gewaltigen, planmäßigen Vergrößerungen und auch Neuanlagen von Orten sind typisch für diese Zeit: Fast alle österreichischen Städte entstanden zwischen 1200 und 1300. In Linz war nun anstelle der Herrenstraße die Landstraße als wichtigster Straßenzug nach Süden getreten, die durch das Schmidtor mit der neu befestigten Innenstadt verbunden war. Der Verlauf der östlich des Hauptplatzes situierten Stadtmauer lässt sich in der Rathausgasse, direkt beim Leberkas-Pepi, durch eine eigenartige „Ecke“ in der Gasse nachvollziehen.

 

Nur wenige Jahre  nach dieser Erweiterung wurde die Befestigung noch einmal nach Osten, östlich der Stadtpfarrkirche (Pfarrplatz) verlegt. Eine mächtige, durch Gräben verstärkte Mauer, die sich in Gebäuden zum Teil erhalten hat, umgab das wehrhafte Linz: Sie verlief vom Schloss über die Promenade (dort in das Landhaus integriert), den Taubenmarkt, den Graben, den Pfarrplatz und die Donaulände, von dort wieder zum Schloss. 

Das Spätmittelalter: Linz als Residenz und Reichshauptstadt

Linz wurde im Laufe der Zeit immer bedeutender und größer. Vor den Toren bildeten sich ausgedehnte Vorstädte, zum Beispiel an der Landstraße oder der Herrenstraße. Im Bereich des Taubenmarktes, etwa dort wo der berühmt-berüchtigte „Taubenmarkt-Mecki“ steht, errichtete man das ausgedehnte Heilig-Geist-Spital inklusive großer Kirche, von dem im späten 19. Jahrhundert die letzten Reste demoliert wurden.

 

Währenddessen entwickelte sich das in erster Linie von der Schifffahrt lebende Urfahr zu einer beträchtlichen, stadtartigen Siedlung, die allerdings erst 1497 mit dem Bau der ersten, hölzernen Donaubrücke zu Fuß erreichbar wurde. Diese brachte einerseits einen beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich, gleichzeitig ließ sie aber auch das wichtige Gewerbe der Überfahrer (Urfahr kommt von Überfahrt) verschwinden.

 

Übrigens wurde Linz 1490 zur Landeshauptstadt und war von 1484 bis 1493 sogar die Residenzstadt des Kaisers Friedrich III. und somit Hauptstadt des Heiligen Römischen Reichs (!), weil Wien zu dieser Zeit von den Ungarn erobert war. 

Bier, Wolle und Klöster: Renaissance- und Barockzeit

Der Aufschwung ging weiter: Linz wuchs vor allem nach Süden immer mehr, wovon noch zahlreiche Freihäuser (=Häuser von privi-legierten, steuerbefreiten Personen, z. B. Adelige) an Landstraße und Herrenstraße zeugen. Es war eine große Erweiterung nach Süden, die nicht weniger als sieben Plätze umfassen sollte, geplant, die aber leider nicht realisiert wurde. Ab 1562 entstand übrigens das Landhaus, bis heute Residenz des Landesfürsten und Machtzentrum Oberösterreichs. Übrigens: Im 16. Jahrhundert war Linz eine überregional bedeutende Bierproduktions- und Handelsstätte.

 

Das 18. Jahrhundert ist geprägt von zahlreichen Bauprojekten und Stadterweiterungen. Um letzte protestantische Ideen aus dem Geiste des Volkes zu vertreiben, wurden beispielsweise Ursulinen- und Karmelitenkloster (an der Landstraße) und das Jesuitenkloster mit dem heutigen Alten Dom erbaut. Die Anlage fast aller Straßenzüge des Domviertels, also auch der Stifterstraße, sowie der benachbarten Gassen, fällt in die Zeit um 1700. Eine besonders bemerkenswerte Anlage aus dieser Zeit ist die Wollzeugfabrik, eine der größten und bedeutendsten Industrieanlagen der gesamten Monarchie und heute wahrscheinlich eine Touristenattraktion, wenn man sie nicht 1969 beinahe grundlos dem Erdboden gleichgemacht hätte – eine politische Entscheidung, die gar nicht genug gewürdigt werden kann. Die Anzahl der Beschäftigten war teilweise gewaltig: Im Jahre 1791 sollen fast 50 000 (!) Menschen für die Manufaktur gearbeitet haben, davon aber so gut wie alle in Heimarbeit. Linz war also schon lange Zeit vor Hermann-Göring-Werken und VOEST eine Industriestadt. 

Im bald erscheinenden letzten Teil geht es um die gewaltigen Umschwünge zur Zeit der industriellen Revolution, die Linz um ein Vielfaches anwachsen ließen, die größenwahnsinnigen Pläne Adolf Hitlers, den steinigen Weg von der verrußten Industriestadt zum heutigen Linz und vieles mehr...

von Tobias

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