Zentralmatura: Memes überfluten das Internet

Was soziale Netzwerke alles möglich machen: Nachdem sie schön längst zu Plattformen für den Austausch von Informationen, Kommentaren und Witzen über Filme, Computerspiele, Politik und vieles mehr geworden sind, bieten sie jetzt auch die Möglichkeit zum kollektiven Raunzen und sich-lustig-Machen über die Zentralmatura und deren Schikanen.

Michi und Lisa sind zwei junge Menschen, die sich ein ungewöhnliches Lebenskonzept ausgesucht haben: Sie leben als Selbstversorger im Südburgenland. Sie bauen so gut wie alles selbst an, machen sich Shampoo aus Kastanien und verdienen einen Teil ihres Geldes mit der Produktion von Hoola-Hoop-Reifen. Ein Bericht über die beiden kam zum dritten Themenpaket der Deutsch-Matura am Montag. Die Folge: Die beiden wurden im Internet von den Maturanten derartig zerpflückt und durch den Kakao gezogen, dass sogar die Presse berichtete. Und der Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Richard Lugner, dem Schnellzug ICE, den fiktiven Charakteren Herr und Frau Fischer sowie zahlreichen weiteren geht es nicht anders.

 

Die Seite „Bifie Memes“ hat fast 7000 Likes, „Zentralmatura Memes“ knackt bald die 40 000 (das bei etwa 40 500 Maturanten!), wobei der Anstieg so enorm ist, dass eine Verdopplung bis zum Ende der Woche nicht unwahrscheinlich anmutet. Im Minutentankt kommen neue Memes herein, die Witze wiederholen sich zwar irgendwann; lustig ist es aber trotzdem.

 

Die Mathematikmatura dürfte nicht als leicht aufgefasst worden sein: Die Aussage „Griagt ma fian Naum aa an Punkt?“ auf einem Bild mit einem panisch blickenden Asiaten zeugt von Verzweiflung, lässiger nimmt es da der Verfasser des Kommentars: „Dieser Moment wenn die Getränk mehr % hot als du bei da Mathe-Matura“. Ob sich das wohl auf ein Bier bezieht? Ebenfalls wenig enthusiastisch sind die Ausblicke auf die Englisch-Matura: „Aufnahmeort für die Listenings von morgen: Küche, Baustelle oder vielleicht doch Flughafen?“, grübelt der Philosoraptor. Der verhinderte Präsident und Baumeister Richard „Mörtel“ Lugner fragt sich: „Bin i se only one who has Ongst vor da Englischmatura?”

 

Die Memeinvasion ist aber keineswegs nur Frustablassen und Unterhaltung: Tatsächlich fühlt es sich gut an, wenn man von den eigenen Probleme bei der Matura im Internet liest und man ähnliche Sorgen wie die, die man selbst hat, in mehr oder weniger gute Witze verpackt findet. So eine achtklässlerübergreifende Solidarität ist gut für die Seele, wenn man ein schlechtes Gefühl hat. Man merkt schnell, dass man nicht alleine ist und Leidensgenossen in hoher Zahl existieren. Und, selbst wenn man sich sicher ist, nicht bestanden zu haben, hat Facebook gute Lösungen parat: „Fois i die Matura ned schoff, werd i Selbstversorger und verkauf Hollahoopreifn!“, verkündet das Success Kid. 

von Tobias

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