Linz: 3000 Jahre im Zeitraffer - Teil 3

Der aus meiner VWA entlehnte Stadtentwicklungsplan zeigt, zu welcher Zeit die Linzer Straßenzüge angelegt wurden*. Legende:

blau: mittelalterlicher Ursprung (z. T. später zu Straßen ausgebaute Feldwege)

grün: 16 – 18. Jh.

gelb: 1. Hälfte 19. Jh.

orange: 3. Viertel 19. Jh. (hellorange: Stadterweiterung ab 1862)

rot: 1875 - 1914

grau: nach 1914


Im dritten und letzten Teil der Serie über die Stadtentwicklung von Linz geht es um die letzten 200 Jahre - die Zeit, in der aus einer kleinen Provinzstadt an der Donau der zweitgrößte Ballungsraum Österreichs**, ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum, ein europaweit bekannter Industriestandort und ein ein wunderschöner Platz zum Leben wurden. Immer wieder bekam Linz neue Gesichter: Während der Industrialisierung, als die Bevölkerung regelrecht explodierte, zur Zeit des Nationalsozialismus, in der Hitler größenwahnsinnige Pläne mit seiner "Führerstadt" hatte und nach dem Krieg, als die Ruinen wiederaufgebaut wurde und die Moderne Einzug fand. Davon und über vieles mehr könnt ihr hier lesen!

Der Sprung zur Großstadt: Industrialisierung und Jahrhundertwende

Obwohl Linz bereits 1858 äußerst früh einen Bahnhof erhielt, setzte die Industrialisierung wie in vielen mittelgroßen Städten des etwas rückständigen Habsburgerreiches eher spät, nämlich um 1870 ein. Die Stadt wuchs aber bald rasant: Schon 1862 wurde das sog. Neustadtviertel, die Gegend östlich der Landstraße, mit Straßenzügen auf dem Grundriss eines Schachbrettmusters, angelegt; wenig später folgte das Volksgartenviertel westlich der Landstraße zwischen Bahnhof und etwa unserer Schule, dazu noch weitere Stadtteile in Urfahr oder südlich der Bahnstrecke.

 

Fazit: Die Stadt wuchs innerhalb weniger Jahrzehnte um ein Vielfaches! Aber nichts Ungewöhnliches für die Zeit, in der Wien um ein Fünftel mehr Einwohner als heute hatte. Charakteristisch für die Zeit sind die heute oftmals etwas heruntergekommenen Zinshäuser mit den üppigen Stuckfassaden, wie es sie in Linz hundertfach gibt

Vom Roten Linz zu Führerstadt: Linz von 1918 bis 1945

Die folgenden Jahrzehnte nun im Schnelldurchlauf: Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im „Roten Linz“ am damaligen Stadtrand viele Wohnblöcke für die ärmere Bevölkerung gebaut – Äquivalente zu den Wiener Gemeindebauten -, während in der Innenstadt hauptsächlich Lücken geschlossen wurden.

 

Zu Zeit des Nationalsozialismus hätte Linz als eine der sieben Führerstädte gewaltig ausgebaut werden sollen. Die ganze Landstraße hätte eine breite Allee werden sollen, am Donauufer waren Hochhäuser, öffentliche Bauten, etc… geplant gewesen. Die Pläne konnten gottseidank nur zum Teil umgesetzt werden; erhalten sind uns neben den berühmten Brückenkopfgebäuden riesige Wohnviertel mit in Urfahr, am Bindermichl und anderswo sowie zahlreiche weitere „Hitlerbauten“. Ach ja, und natürlich die heutigen VOEST-Werke.

 

Nach dem Krieg vergrößerte sich die nunmehrige Industriestadt Linz rasant: In alle Richtungen dehnte es sich aus. Nach Norden entstanden riesige Wohn(block)viertel in Dornach, Im Westen G´stopftensiedlungen auf den Hügeln um den Freinberg, und nach Süden uferte Linz erst recht in alle Richtungen aus. Autobahnen und Straßen wurden errichtet, öffentliche Gebäude aus dem Boden gestampft, Wollzeugfabriken abgerissen, nur bei den Brücken, Radwegen und Öffis sparte man halt konsequent ein. Aber die Stadt konnte sich aus dem Smog retten, das Image der Industriestadt größtenteils ablegen und: immerhin haben wir eine Uni, ein tolles Musiktheater, tolle Museen und ein tatsächlich international be- und anerkanntes Ars Electronica Center (obwohl es für die meisten Linzer eher ein Schattendasein zu fristen scheint). 

Und wie geht es weiter...?

Linz wächst weiter sehr schnell – Der Zuzug pro Jahr ist gewaltig. Vor allem nach Süden wird erweitert, da in Richtung Mühlviertel die Böhmische Masse im Weg steht. Jetzt kann man wunderbar spekulieren: Wie wird Linz in, sagen wir, 50 Jahren aussehen? Ich bin da natürlich kein Experte, aber ich maße mir einmal an, zu sagen, dass der suburbane Raum im Westen und Südwesten (Traun, Leonding, etc…) zu einer dicht bebauten, städtischen Gegend mit allem Drum und Dran wird. Auch mit Steyregg, Gallneukirchen, Ottensheim, etc… wird Linz wohl immer mehr zusammenwachsen. Tatsächlich soll ja eine Regio-Tram zu unserem liebevoll „Galli“ genannten Nachbarn geplant werden…   

 

Momentan haben wir aber noch genug zu tun: Das Brückenproblem, das Westringproblem, das allgemeine Verkehrsproblem, das Finanzproblem, und und und… 

von Tobias Lindorfer

 

*https://www.doris.at/viewer/(S(zwugnajd24gfcem3znspnyhm))/init.aspx?ks=alk&karte=stadtplan&massstab=5000&koord=71149;350837

**laut: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_St%C3%A4dte_in_%C3%96sterreich#Metropolenregionen_nach_Eurostat (18. 6. 2016)

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